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Granikos Technology Blog

Was dürfen wir von Exchange Server 2019 erwarten?

The English version of this blog post has been published at ENow ESE Blog: What can we expect from Exchange Server 2019?

 

Image Keyboard | Pexel CC0Am 24. Juli 2018 wurde die Preview Version von Exchange Server 2019 veröffentlicht. Exchange Server 2019 ist eine Weiterentwicklung von Exchange Server 2016 und somit bereits die dritte Version moderner Exchange Server. Wie schon die Vorversionen profitiert auch Exchange Server 2019 von den Entwicklungen in Office 365. Naturgemäß werden wir aber nicht alle Funktionen, die Exchange Online bietet, in der On-Premises Variante von Exchange Server zur Verfügung haben. Ebenso können wir, wie die Erfahrung der letzten beiden Versionen gezeigt hat, davon ausgehen, dass mit der Veröffentlichung der RTM Version noch nicht alle angekündigten Funktionen im Produkt aktiv sind. Vielmehr wird der Funktionsumfang mit den nachfolgenden Kumulativen Aktualisierungen stetig erweitert.

 

Lohnt sich ein Wechsel?

Aber was hat uns Exchange Server 2019 anzubieten und warum sollte man auf die neue Version wechseln? Werfen wir einen Blick auf die Unterschiede zwischen Exchange Server 2019 und den Vorversionen.

Exchange Server und Windows Server Core

Die wichtigste Neuerung in Exchange Server 2019 ergibt sich für den Betrieb des Produktes. Endlich ist es möglich, Exchange Server auf Windows Server Core zu betreiben. Durch den Verzicht auf eine Betriebssystemvariante mit grafischer Benutzeroberfläche (GUI) wird die potentielle Angriffsoberfläche stark reduziert. Ich empfehle den Einsatz von Exchange Server auf Windows Server 2019 Core, um die maximale Sicherheit für den Betrieb von Exchange Server zu erreichen. Diese Möglichkeit steht uns allerdings erst zur Verfügung, sobald Windows Server 2019 veröffentlicht wurde. Die aktuelle Preview Version von Exchange Server 2019 erlaubt daher die Installation auf Windows Server 2016 und Windows Server 2016 Core. Ob dies auch noch für die RTM Version von Exchange Server 2019 gelten wird, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall sollte Ihnen der Einsatz von Windows Server Core Varianten keine Angst machen, da Sie mit dem Windows Admin Center eine sehr gute Web-Verwaltungsoberfläche zur Verfügung haben.

Prozessor und Arbeitsspeicher

Nach der Sicherheit im Betrieb ist die Leistungsfähigkeit von Exchange Server immer wieder ein Thema. Mit jeder Produktversion hat das Exchange Team weitere Leistungssteigerungen ermöglicht. Ob Sie von diesen Verbesserungen immer profitiert haben, hängt immer davon ab, wie Sie Exchange Server implementiert haben.

Auch für Betrieb von Exchange Server 2019 gelten die Empfehlungen für die Preferred Architecture. Wie Sie sicher wissen, empfiehlt das Produkt Team den Betrieb von Exchange Server auf echter Hardware. Der Hauptgrund für diese Empfehlung ist, dass die Hochverfügbarkeit auf Applikationsebene (Stichwort DAG) realisiert ist und ein Hypervisor nur die Komplexität erhöht, ohne einen echten Nutzen zu bieten. Die nächste Version von Exchange Server unterstützt Serversystem mit bis zu 48 Prozessor-Cores und 256GB Arbeitsspeicher. Bei einem virtualisierten Betrieb von Exchange Server, unabhängig von der CPU- und Arbeitsspeicherkonfiguration, müssen Sie sowohl die Prozessor-Cores als auch den Arbeitsspeicher als fest reservierte Ressourcen konfigurieren. An dieser Anforderung ändert sich mit Exchange Server 2019 nichts.

SSD Cache-Speicher

In den letzten Jahren sind Postfächer immer größer geworden und damit auch der benötigte Festplattenspeicher. Um nun eine weitere Leistungssteigerung erreichen zu können, bietet Exchange Server 2019 einen SSD basierten Cache-Speicher an. Wie bei den HDDs kommen bei den SSDs kostengünstige Komponenten zum Einsatz, um ein gutes Kosten-/Nutzen-Verhältnis zu gewährleisten. Dieser Cache-Speicher steht in der Preview Version von Exchange Server 2019 leider noch nicht zur Verfügung.

Die Suche

Die bisher in Exchange Server verwendete Suchfunktion basierte auf der FAST-Engine und hat so manchem Exchange Administrator schlaflose Nächte bereitet. Im Blog-Artikel des Exchange-Teams wird nun die Integration einer Suchmaschine mit Bing-Technologie angekündigt. Zum einen ist es gut, die FAST-Suche loszuwerden und sich nicht mehr um korrupte Suchindizes kümmern zu müssen, zum anderen werden einige Leser sicher bei dem Begriff “Bing-Technologie” zusammenzucken. Die im Web verfügbare Bing-Suchmaschine hat, je nach Land, eine sehr unterschiedliche Wahrnehmung hinsichtlich der Qualität der Suchergebnisse. Im Zusammenhang mit Exchange Server liegt der Schwerpunkt aber weniger auf dem Wort “Bing” sondern auf dem Begriff “Bing-Technologie”. Der entscheidende Vorteil der neuen Suche ist, dass die Speicherung der Metadaten und Indizes nicht mehr in einer separaten Ordnerstruktur je Server gespeichert wird, sondern in der jeweiligen Postfachdatenbank. Damit erfolgt die Synchronisierung dieser Informationen mit Hilfe des normalen Log-Shipping-Mechanismus. Dieser technologische Kniff ermöglicht eine im Falle eines Switch- oder Fail-Overs eine noch schnellere Aktivierung einer passiven Datenbankkopie. Durch die Speicherung in der Datenbank sind die Suchinformationen somit auch automatisch Bestandteil einer Datensicherung.

Für Anwender

Als neue Funktionen für Anwender wird es hauptsächlich Änderungen im Bereich der Kalenderfunktionen und der Freigabe von Kalenderinformationen für Dritte geben. Eine wichtige Funktion, die ihren Weg aus Exchange Online zu Exchange 2019 findet, ist "DoNotForward". Mit dieser Funktion kann eine Weiterleitung einer Nachricht, und damit z.B. auch von Termineinladungen, an weitere Empfänger unterbunden werden. Zusätzlich wird die nachträgliche Konfiguration von bestehenden (Serien-)Terminen in Kalendern durch Exchange Administratoren ermöglicht. Dies ist ja gerade bei Austritten von Anwendern immer wieder ein anstrengendes Thema.

Outlook on the Web wird immer mehr zur zentralen Schnittstelle für den Zugriff auf E-Mails und funktioniert mit allen gängigen Browserversionen tadellos. Bedenken Sie bitte, dass die korrekte Nutzung aller Postfachfunktionen von Exchange Server 2019 nur gewährleistet werden kann, wenn eine aktuelle Outlook for Deskop (Windows/Mac) Version eingesetzt wird.

Was fehlt?

Keine Exchange Version ohne einen Wegfall von Funktionen. Nein, die Öffentlichen Ordner sind immer noch vorhanden.

Die Unfied Messaging Funktion, die ja bereits in den Vorversionen nicht mehr als separate Funktionsrolle zur Verfügung stand, zur Bereitstellung von VoiceMail-Funktionen, ist in Exchange Server 2019 nicht mehr vorhanden. Microsoft lässt Ihnen die Wahl, sich für eine Anbindung von Cloud VoiceMail bei gleichzeitiger Nutzung von Skype for Business Server 2019 zu entscheiden, oder eine Drittanbieter Lösung einzubinden.

Eine Alternative ist der Weiterbetrieb von Exchange Server 2016, bis diese Version das Support-Ende erreicht hat. Eine Vergleichstabelle über die Möglichkeiten zur VoiceMail-Nutzung finden Sie hier.

Weitere Informationen und Empfehlungen zum Umgang mit dem Wegfall der Unified Messaging-Funktionen wird es auf der Ignite 2018 Konferenz geben.

Koexistenz

Welche Möglichkeiten ergeben sich mit Exchange Server 2019 für die Co-Existenz der Exchange Versionen während der Transitionsphase?

Auch Exchange Server 2019 folgt dem seit Jahren bekannten N-2 Prinzip. Eine Koexistenz der aktuellen Exchange Server Version (N) ist nur mit den beiden letzten Exchange Versionen (-2) möglich. Das bedeutet, dass Sie Exchange Server 2019 nicht in einer direkten Koexistenz mit Exchange Server 2010 installieren können. Wenn Sie noch Exchange Server 2010 betreiben und auf Exchange Server 2019 wechseln möchten, müssen Sie eine Zwischenmigration über Exchange Server 2016 durchführen. Für Exchange Server 2013 ist ja seit Juni 2018 der Mainstream-Support beendet.

Weitere Informationen und Empfehlungen zur Co-Existenz wird es auch hier auf der Ignite 2018 Konferenz geben.

Zusammenfassung

Auch mit Exchange Server 2019 wird die produktinterne Hauptversionsnummer nicht hochgezählt. Die Programmversion wird als 15.2 gezählt. Böse Stimmen werden nun lamentieren, dass es sich, der alten Microsoft Notation folgend, um Service Pack 2 für Exchange Server 2013 handeln muss. Das ist natürlich nicht der Fall. Exchange Server 2019 ist ein eigenständiges Produkt.

Die Neuerungen in der Architektur und die Unterstützung von Windows Server Core versprechen einen leistungsstarken und sicheren Betrieb von Exchange Server 2019, der von den Erfahrungen im Clouddienst von Office 365 profitiert. Insbesondere die neue Suche ist ein Ergebnis aus dem betrieb einer sehr großen Exchange Umgebung.

Die Vorteile für Endanwender sind aus meiner Sicht eher Komfortverbesserungen. Ob diese alleinig einen Wechsel zu Exchange Server 2019 rechtfertigen lassen, müssen Sie entscheiden.

Ende September findet die Microsoft Ignite 2018 Konferenz in Orlando statt. Es wird eine spannende Woche mit interessanten Vorträgen zu den Neuerungen und Änderungen im Vergleich zu Exchange Server 2016 werden. Wir dürfen gespannt sein. Ich werde dort sein.

 


Sie haben Fragen zu Ihrer bestehenden Exchange Server Umgebung? Sie möchten auf eine neue Version von Exchange Server wechseln? Kontaktieren Sie uns. info@granikos.eu.









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